Der wolf ist tot, der wolf ist tot!
Obwohl es schon soweit ist, dass sich fast hundertjährige mit letzter kraft trotz der verdienten ruhe vom kanapee aufbäumen und sich bemüßigt fühlen, ihre letzten atemzüge aus der lunge mit einem “empört euch!” herauszustoßen, um der konsumweichgespülten und absolut dem selbständigen denken entwöhnten gesellschaft einen funken an wehrhaftigkeit zu entlocken – und trotzdem erdreisten sich die “herrschenden eliten” nicht, uns wie kindern täglich aufs neue die absurdesten märchen aufzutischen und diese geschichten laufend weiterzuentwickeln – je nachdem, wie es die situation gerade erfordert.
Der aktuelle anlass, meiner empörung wieder einmal luft zu machen ist das letzte kapitel aus einer besonders dramatisch angelegten variante von:
“Der böse wolf und die unschuldslamperln”.
Wir wissen alle, dass die geschichte so alt wie die menschheit ist und deshalb so gut funktioniert, weil sie das gerechtigkeitsempfinden der rezipienten befriedigt. Gut siegt gegen böse. Alles andere bringt uns aus dem gleichgewicht und lässt uns schlecht schlafen.
22.1.2010
Mir mangelt es momentan etwas an kraft, mich mit dem alltagsgeschehen auseinander zu setzen. Hier aber ein eintrag auf der meinungsplattform der laizismusinitiative, die mir schon die längste zeit unter den nägeln brennt:
Vielen Dank für diese längst überfällige Initiative!
Meine Beweggründe diese zu unterstützen:
Die Grundlagen jeglicher religiöser Inhalte beruhen darauf, dass die Menschen seit Urzeiten versuchen, Antworten auf die Fragen nach unserer Existenz zu finden. Soweit, alles bestens.
Das eigentlich haarsträubende daran ist, dass diese überlieferten Erkenntnisse selbst in unserer “aufgeklärten Zeit” als etwas hingenommen werden, für das es nicht den geringsten Beweis der Richtigkeit gibt (Gott hat das gesagt – aha). Es werden also Dinge als wahr angenommen, die irgendwer irgendwann einmal behauptet hat. Oder: jemand behauptet, dass irgendwer wen gehört hat, der das so oder so ähnlich gesagt hat.
Entspricht es dem Wesen eines mündigen Menschen, sein Weltbild auf Tatsachen aufzubauen, die von Menschen kreiert wurden, die einem völlig unbekannt sind, beziehungsweise – dank aktiv betriebender Legendenbildung – vielleicht gar nie existiert haben? Das muss man wohl eher verneinen.
Warum das dennoch funktioniert? Weil diese Inhalte, verkauft als allgemein gültiges Wertesystem schon den allerkleinsten eingeimpft werden. Weil es bei denen am besten funktioniert. Weil die sich nicht schützen können, weil sie alles für bare Münze nehmen. Weil für sie Fegefeuer und Hölle, so abstrakt sie einem Erwachsenen erscheinen mögen, Realität sind, wenn sie ihnen in leuchtenden Farben ausgemalt werden.
Bis ins Erwachsenenalter werden wir diese Ängste nicht los. Und wenn es dann um die eigenen Kinder geht, dann lassen wir sie halt lieber taufen. Als Schutzimpfung sozusagen. Dann kann nichts passieren.
Ein großer Schritt in Richtung echter Aufklärung und dahin, Kindern zu helfen mündige, kritische und ehrliche Erwachsene zu werden, kann für mich nur darin bestehen, sie endlich vor diesen Gehirnwäschen zu beschützen. Jedem Menschen sollte die Freiheit gelassen werden, seine Wahrheit zu finden. Wann hören wir endlich auf in Schubladen zu denken? Die Idee der christlichen Nächstenliebe ist wunderbar – und genauso beruhen alle anderen Glaubensrichtungen auf wahren, schönen Ideen. Es ist nicht schlecht, an etwas zu glauben. Schlecht wird wird mir dann, wenn ich nicht hinterfragen darf. Und wenn jemand seine (wirklich reale?) Autorität dazu benützt, andere zu beeinflussen.
Ich kann den hehren Absichten einer Institution keinen Glauben schenken, die sich selbst permanent ad absurdum führt. Dazu gehört wie schon angesprochen, das absolut fehlende Schuldbewusstsein für vergangene Fehlleistungen (die Verbrechen diktatorischer Regimes in nichts nachstehen!). Dazu gehört ebenso der nach wie vor gelebte absolut totalitäre Anspruch darauf, über Gut und Böse zu entscheiden. Und diesen mit allen Mitteln zu verteidigen. Jemand der Toleranz predigt, und dabei aggressiv missioniert, ist als Moralinstanz nicht zu akzeptieren, ganz nüchtern betrachtet.
Explizit an die Katholische Kirche: ich verwehre mich im Namen aller Nicht- und Andersgläubigen gegen die öffentliche Darstellung, keine moralisch-ethische Kompetenz zu haben. Bei der leisesten Kritik auf die eigenen reliösen Gefühle zu pochen und dabei selbst unfair sein, das ist ganz weit weg von sachlicher Diskussion.
Und auch an alle anderen: ich bin eine Frau – solange ihr die Gleichwertigkeit der Geschlechter nicht begreifen wollt – bitte in ein ruhiges Eck’- zum kontemplativen Nachdenken.
Ja – und dann gäbe es noch die lächerliche Kleinigkeit, die Verflechtungen von Kirche und Wählerstimmen zu lösen.
Man wird ja noch von Demokratie träumen dürfen..
Herzlichst – eine, die bei dem Thema noch Stunden weiterschreiben könnte!
21.11.2009
Brief ans christkind
Betreff: ich hätte da eine frage…
in wirklichkeit habe ich viele fragen – die meisten werde ich dem unisversum stellen müssen, weil sonst sagt einem ja keiner was. Von denen, die in den medien ständig etwas von sich geben, aber man hinterher ewig nachdenken muss, was sie einem eigentlich sagen wollten. Eine zeitlang habe ich gedacht: ich bin einfach zu blöd. Macht ja nix, es kann nicht jeder einstein sein. Irgendwann bin ich ärgerlich geworden und der paranoiden idee verfallen, dass die botschaft im subtext zu finden und ganz banal sei: ich hab’ selber keinen schimmer, aber ich kann wirklich schön drüber reden (und in wirklichkeit ist es mir auch völlig wurscht, ob irgenjemand an der wahrheit interessiert ist).
Noch später hat es in meinem hirn aber geklickt und ich habe erkannt, dass so abstrus eine gehirnabsonderung gar nicht sein kann, um nicht darin sehr geschickt eine satte ladung polemik zu verpacken (die sind die bösen, die sich an den sozialleistungen bereichern!). Mit unschuldigem lächeln als schleifchen drumherum. Vielen dank an dieser stelle an josef p., der offensichtlich nicht soo talentiert in dieser disziplin ist. Der beschert mir mit seiner performance regelmäßig hysterische lachkrämpfe. Vielleicht ist es auch dieses bauernschlaue grinsen, das ein bisschen zu sehr verrät, dass sich hier einer ins fäustchen lacht, weil an der nase herum führen so riesig viel spaß macht. Egal, ich mag deren weltanschauung als ganzes nicht. Und manchmal ist lachen eben alles, was einem bleibt.
Um aber jetzt endlich zu der eigentlichen frage zu kommen: wer bestimmt eigentlich in diesem lande, worüber berichtet wird?
Es hat sich nämlich in den letzten jahren so einiges zusammengeläppert, das vielleicht in diversen (öffentlich-rechtlichen?!) medien aufblitzt und höchst aufklärungswürdig ist, aber eben nur ganz kurz und dann gleich wieder mit minutenlagem wirtschaftskrisen/schweinegrippen und sonstigem gesudere umnebelt wird (wobei bei diesen themen die berichterstattung mir ein bisschen einseitig erscheint, oder liege ich daneben?). Und schon breitet sich vergessen darüber.
War was?
Versickerte millionen beim ams (eine ausbildung wollen sie machen? Wissen sie denn nicht: wir haben WIRTSCHAFTSKRISE!!)?
Die ärztekammer (gott dorner ag oder so) kündigt den vertrag mit der gewerblichen sozialversicherung, nachdem sie dieser immer schon das 4-fache als jeder anderen kasse verrechnet hat (mein fehler, dieses thema hat es nie in eine redaktion geschafft!). Dass es zumindest einen berufsstand gibt, der kritische selbstreflektion und kontrolle sicher nicht nötig hat, ist seit der letzten debatte um eine gesundheitsreform auch in stein gemeißelt. Da brauch’ ma nimmer drüber reden!
Menschen, die monetär nicht unerklecklich profitieren, wenn ein bisserl mehr und ein bisserl überteuert bundesheergerät gekauft wird, als nötig? Wie hieß der noch gleich – und ist der nicht mit der – dings – da, na…?
Gerichtsurteile über entimmunisierte parlamentarier und anderer hoch geachteter zelebritäten, die sich so derartig daneben benehmen, dass selbst unsere justiz handeln muss?
Depperte gesetzte, bei denen der teufel immmer im detail liegt? (Und was hat die katholische kirche so oft damit zu tun?!)
Na ja, auf den rechnungshofbericht bezüglich der flughafengeschichte können wir getrost noch ein bisschen warten, genauso wie einige KMU’s vergeblich auf ihr geld warten müssen, die glauben, sichere geschäfte mit der stadt wien zu machen und die halt die wartezeit leider, leider nicht überleben. Und wieso viele geld bekommen, obwohl sie gar nix machen? Und all jene, die von nix nie gewusst haben, die aber auf dem papier und laut stellenausschreibung doch eigentlich die verantwortung für dies und jenes hätten? AUA (und wie!), BUWOG, ÖBB, ÖGB, ÖTB (sorry, der nicht),…..? Aber fesch is’ er schon, der karli-heinz. Überhaupt die heinzis so smarte burschen sind!
Ist mir schon klar, so viele journalisten um diese beliebig erweiterbare liste abarbeiten zu können gibt es nicht. Ist auch zäh. Und die luft ist dünn und die pappn’ schnell verbrannt. Ist ja menschlich. Ich überlege ja auch, was du von mir hältst, obwohl das völlig unerheblich ist, weil wir uns wahrscheinlich nie begegnen werden.
Aber – es hat sich mir der verdacht aufgedrängt, dass irgendwo irgendwer (mit irgendwem zusammen) sitzt, der bestimmt, worüber und wieviel und in welcher form die öffentlichkeit informiert wird. Vielleicht ist es ja nur zu unserem wohle – wieviel mehr als wir erfahren, könnten wir ertragen?
Trotzdem meine ich in wahnhaften phasen ein diskretes ungleichgewicht zwischen meinungs- und pressefreiheit zu orten. Möglicherweise hat sich in meinem denken ja auch nur ein systemfehler eingeschlichen, was die definition dieser begriffe betrifft. Oder, sag bloß – in diesem land gilt nicht für jeden dasselbe?
Warum, liebes christkind, sag’ mir: warum darf jeder vollgummi, der es einmal bis vor ein mikriphon geschafft hat mit berufung auf die meinungsfreiheit bewusst die augenscheinlichsten und gröbsten unwahrheiten von sich geben, ohne dass ihm jemand ins gesicht hupft?
Und was mache ich mit meiner unangebrachten neugierde und meiner hilflosen empörung? Die kronen zeitung lesen und mich darauf beschränken, dem herrn dichand zu glauben? Stimmt, wenn so viele das machen, ist vielleicht ja was dran. Nur: das schaffe ich nicht. Nicht ohne drogen, aber die gibt es nicht auf rezept für das ich sowieso 20% selbstbehalt zahlen müsste. Jetzt weiß ich wenigstens, warum.
Ganz abschalten und nichts mehr verfolgen? Und damit dem irrsinn das feld überlassen?
Naiv gell? Zu glauben, wenn ich mich über das alles aufrege, dass ich dem damit etwas entgegenhalten könnte.
Tut mir leid, das war jetzt mehr als eine frage. Aber das ist halt so, wenn man irgendwo zu fragen anfängt im richtigen leben (nicht wie auf der universität, wo man sich voll und ganz zielgerichtet in seiner fachrichtung entfalten darf).
Wo kämen wir da überhaupt hin, wenn plötzlich die ganze bevölkerung anfinge, an einer universalbildung zu arbeiten – also das liegt dem wesen einer hochschule doch wirklich so fern wie eine 2-klassen-medizin der demokratie. Und wer will schon gebildete wähler? Heftigst würde ich mich dagegen verbitten, damit das auch einmal gesagt ist! Die sollen froh sein, unterbezahlte arbeit verrichten zu dürfen und ansonsten ihrer ersten bürgerpflicht nachkommen. Weihnachten naht und die wirtschaft braucht unsere unterstützung. Die steueroasenkonten warten gierig auf frisches geld!
Bevor ich jetzt den stecker ziehe, um dein postfach nicht noch weiter vollzustopfen, möchte ich mich im voraus bedanken - und bei etwaiger ermangelung antworttechnischer hilfsmöglichkeiten, du mir vielleicht die mailadresse vom salzamt zukommen lassen könntest.
Herzlichst - eine die noch an wunder glaubt!
20.11.2009
Tötörötöööt! Der advent-einkaufswahnsinn hat begonnen. Aber moment – heute ist doch noch gar nicht advent. Also erstens ist freitag und nicht samstag – und wenn tatsächlich samstag wäre und noch dazu der erste im advent – dann wäre das auch ziemlich einerlei, weil doch eh’ jeden samstag langer samstag ist. Und das schon seit jahren. Warum ich nicht kapiere, warum ein adventsamstag anders und überhaupt so besonders sein soll.
Alles wurscht, weil: heute erst freitag ist! Ein nebeliger ende-november-freitag, dessen nachmittag auf der mariahilferstraße sich original so anfühlt wie einer der 4 hochheiligen samstage vor weihnachten. Was diese samstag von den anderen des jahres unterscheidet? Die verbissenheit! Die verbissenheit, mit der das volk wie auf schienen die mahi auf und ab läuft, was blöd ist, weil alle paar meter jemand aus der spur ausbricht, um in kampfhaltung in ein geschäft zu rennen. Trau’ dich nicht die spur zu wechseln, nur um dann ganz gemütlich vor einer auslage stehen zu bleiben und versonnen die ausgestellten dinge darin zu betrachten. Darauf stehen 40 peitschenhiebe, minimum. Man hat einen plan, man hat zu wissen, was man braucht und überlegt wird nicht. Keinesfalls bleibt man stehen, um mit den freunden zu plaudern, die eventuell auch so deppert sind, an einem solchen tag einkaufen zu gehen. Entweder – gruß und ab, oder nächstes café! Ohne lang herumüberlegen, wo man denn hingehen könnte. Das stört den fließverkehr! Unter gar keinen umständen lasse man kinder unter zehn jahren zu fuß gehen. Die gehören in den kinderwagen! Und nix mehr will ich hören!
Weil aber heute, wie ich schon erwähnte, erst freitag ist und überhaupt noch gar nicht advent (haben das jetzt alle verstanden!?) war ich nicht darauf gefasst, schon diese besinnliche adventstimmung vorzufinden. Fing alles auch ganz harmlos an – Völlig entspannt der u-bahn entstiegen, schlendern wir langsam nach unten (immer der schwerkraft nach), bis wir auf eine mini-demo aufmerksam werden, bei der vielleicht 150 menschen (wahrscheinlich 50 davon kinder) verzweifelt für mehr kinderrechte stimmung zu machen versuchen. Ich sag’ – da müssen wir hin – denn egal, weswegen die leute dieser tage auf die straße gehen – es gibt hundert pro einen guten grund dafür. Während ich mit der rührung kämpfe, die mich seit einiger zeit bei solchen und ähnlichen gelegenheiten übermannt, versuche ich unserem dreijährigen das wesen der demokratie näher zu bringen, habe aber null chance gegen die trommeln und die tröten. Macht nichts, eine positive assoziation schadet ja auch nicht.
Im übrigen gehörten wir zu den ganz wenigen, die sich spontan dem zug anschlossen. In wahrheit nahm kaum jemand notiz - höchstens anstoß, den man aber bei diesem thema nicht ganz so offen zur schau stellen kann. Kurz darauf war schluss mit demo – und wir wandten uns jetzt mit etwas mehr ernst endlich doch dem konsum zu. Aber es klappte nicht so recht. Die verkäuferinnen waren aufdringlich wie die fliegen, obwohl die in der mariahilferstraße tätigen früher eher durch arrogante abweisung glänzten (ja, ich weiß sehr wohl, dass es da einige ausnahmen gibt!) und aus dem ersten geschäft musste ich ganz bald wieder raus, um nahrung zu mir zu nehmen, weil – ich mit leerem magen in einer sehr frequentierten einkaufsstraße voll übermotivierter verkäuferinnen - das geht nicht gut aus. Stressfaktor im dunkelroten bereich. Die wurstsemmel stabiliserte mich wieder soweit, um fortfahren zu können ohne fürchten zu müssen, dass das tier in mir jemandem an die gurgel geht. Nun haben wir aber ein kind, das garantiert nicht bis zum ablegen der führerscheinprüfung im kinderwagen sitzen bleibt. Und einkaufen findet das kind auch fad. Es sucht sich daher beschäftigung: den kinderwagen selbst zu schieben, zum beispiel. Auch das kind ist entspannt, denn auch seine magennerven sind mit einer wurstsemmel beschäftigt. Und es ist ihm daher völlig wurscht, wo es sich befindet und wie viele leute eventuell noch da sind. Selbstredend hat es keinen schimmer von der grausamkeit eines vorweihnachtlichen einkaufstrips (obwohl der advent doch noch gar nicht geöffnet hat!). Anscheinend hat die jause bei mir aber so viele endorphine freigesetzt, dass ich den sprengstoff der kombination: kind mit bewegungsdrang und tausende mariahilferstraßenbesucher mit vorweihnachtsanspannung nicht richtig an mich heranlasse. Obwohl mir auffällt, dass dem kind nicht viel nachsicht entgegen gebracht wird. Davon, sein lachen zu erwidern, keine spur. Sei’s drum, diese stylishen shoppingfreaks gehen mir sowieso am arsch vorbei und im nächsten augenblick sehe ich endlich einmal ein paar schuhe, auf ich mich mit mir einigen könnte. Also nix wie rein – auch hier umsatzgeile freundlichkeit, die sogar so weit reicht, mich am arm zu nehmen und mich persönlich eskortiert vor die gewünschten schuhe zu stellen. Ich komme mir auf den arm genommen vor, denn ich hatte noch nie das bedürfnis nach einem bodyguard und sehr selten zu spontanem körperkontakt und schicke die freundliche dame gleich noch ein paar schuhe meiner größe zu suchen, damit ich zwei minuten in ruhe schauen und gustieren kann (himmelarsch, was ist denn daran das verbrechen?). Noch ehe ich das zweite paar in augenschein nehmen kann, steht die verkäuferin schwanzwedelnd wieder da und ich nehme ihr die schuhe aus der hand. Zum glück reicht sie den schuhlöffel nach und ich reiße mich zusammen und tätschle ihr nicht den kopf. Ich probiere 5 paar ohne einzusehen, warum ich im detail rede und antwort stehen muss, weil ich die schuhe der reihe nach wieder zurück stelle. Rund um mich höre ich zischeln und wispern, sehe verdehte augen, aber ich bin so mit der abwehr der verkäuferin beschäftigt, dass ich den grund nicht ausmachen kann. Mit einem kontrollblick vergewissere ich mich, dass das kind nichts anstellt. Alles im grünen bereich. Irgendwann steht der kinderwagen neben mir und das kind teilt mir mit, dass es nach hause will und praktisch veranlagt wie es ist, versucht es auch gleich, mir meine eigenen schuhe wieder anzuziehen. Dass in meiner socke ein loch ist, findet es naturgemäß lustig und will natürlich andere an dem spaß teilhaben lassen, deswegen gibt es diese information auch sofort mit glockenheller stimme in einer lautstärke wieder, die auch in der demo nicht untergegangen wäre. Die geschüttelten köpfe beziehe ich noch immer nicht auf mich. Zu einer mittleren katastrophe kommt es dann doch, als das kind stolpert und unglücklicherweise auf einen schuh tritt, den ich nicht kaufen will. Den ich nicht einmal in die engere wahl gezogen habe. Die stimme der verkäuferin schraubt sich in alarmierende frequenzen und ich kann sie mit dem bösen blick davon abhalten, hand an das kind zu legen. Außerdem bin ich noch immer der meinung, dass nichts passiert ist, was die aufregung rechtfertigt. Sie gibt sich dann doch damit zufrieden in versöhnlicherm tonfall anzumerken, dass man den schuh jetzt etwas polieren müsse. Ich schlucke meinen bissigen kommentar, dass ich deswegen den schuh wohl nicht bezahlen müsse, hinunter. Als wir das geschäft verlassen, schwillt hinter uns das gezische merklich an. Ich höre, wie echauffierte frauenstimmen “das ist ein wahnsinn” raunen und kapiere noch immer nicht, dass das alles mir gilt, weil ich nichts registriert habe, was diese reaktionen ausgelöst haben könnte. Draußen wartet der rest der familie und der erwachsene teil davon fragt mich, ob ich denn nicht mitbekommen hätte, wie offensichtlich wir angefeindet worden waren. Da das normalerweise mein part ist, äußerst sensibel auf solche dinge anzuspringen, steht nun ohne zweifel fest, dass wir, obwohl das kind gar nichts angestellt hat schon mal vorsorglich zur problemfamilie gestempelt und auch als solche behandelt wurden. Ich mache auf dem absatz kehrt und will diesen wundersuppifrauen, die garantiert keine so verhaltensauffälligen kinder wie wir zu hause haben meine meinung sagen, werde aber sanft am arm zurück gehalten. Was ganz richtig ist. Denn hier für mehr toleranz einzutreten, hat soviel sinn, wie den papst von der wichtigkeit von kondomen zu überzeugen. Null problembewusstsein. Wenn demnächst einmal eine mini-demo durch die mariahilferstraße zieht, dann bin das ich. Ich fordere die abschaffung vorauseilender aburteilung von eltern und mehr toleranz für die kinder! Auch wenn das in der mariahilferstraße vier wochen vor weihnachten an unverschämtheit nicht zu überbieten ist!
16.10.2009 - 23.10.2009
Die lange abstinenz beschert mir einen direkten umstieg von den sommerbadefreuden zu den aktuellen früh-winterlichen widrigkeiten. Heraus aus dem wasser, rein in den schnee, sozusagen. Was ich persönlich ungerecht finde, so früh im herbst. Ist jetzt auch gar nicht so einfach, mit einem thema jetzt. Weil: es einerseits so vieles zu bekritteln gibt – und andererseits es eigentlich eh’ immer der gleiche schmarrn ist. Na ja. Es gibt steigerungsformen von schmarrn. Kein scherz. Wär’ wieder ein punkt für die schon besprochene, höchst notwendige echte reform der deutschen sprache. Ich hätte gern eine griffige steigerungsform für schmarrn. Sodass jeder gleich weiß, dass da gerade jemand im sich etwas leisten so weit gegangen ist, wie für andere unausdenkbar ist. Motto: mit der nötigen chuzpe kommt man halt gleich viel flotter voran im auf die spitze treiben.
Beispiele gefällig? Wie wärs mit den gewinnen, die ein paar namhafte firmen gerade mit ihren neuen impfstoffen machen, die sie uns in trauter einigkeit mit den regierungen und den gesundheitsbehörden aller länder nebst unglaublichem schwachsinn aufzuschwatzen versuchen? Grunzt ihr nachbar schon? Vielleicht ist aber der zirkus um den ersten todestag der kärntner sonne ein weitaus ungefährlicheres thema. Samt der frage, ob und was über das privatleben einer person öffentlichen interesses in den medien berichtet werden darf. Auch ein gewisses quantum an sprengstoff birgt jene geschichte über eine (die) ehemalige österreichische fluglinie, deren namensgeber wohl im besitz prophetischer gaben zu sein schienen. Weil verdammt und aua! – das tut wirklich weh, dass eine staatliche fluglinie systematisch abgewirtschaftet wird (ich weiß, eine kühne unterstellung!), man(!) dann hunderte millionen dafür zahlt, dass man sie verschenken darf und der beschenkte nicht ein mindestmaß an zeit verstreichen lässt, bis er die zahl der garantierten arbeitsplätze leider, leider nach unten korrigieren muss. Und niemand redet drüber. Niemandem, aber auch wirklich keinem der betroffenen wird in den medien die möglichkeit gegeben, sich öffentlich darüber zu entrüsten. Möglicherweise würde das auch keinen sinn machen, weil sich ja auch sonst niemand darüber aufregt. Also was solls, wieder was erledigt, nächster programmpunkt!?
Hätte ich nicht in der zwischenzeit endlich auch den film “Let’s make money” von erich wagenhofer gesehen, in dem profunde auskenner der neoliberalen marktwirtschaft aus ihrem nähkästchen plaudern, hätte ich es wohl auch vergessen. Eine offenbarung, dieser film, der ganz drastisch vor augen führt, dass das wort “verschwörungstheorie” dieser tage nur in dem verzweifelten versuch gebräuchlich ist, kritische menschen als psychopathische spinner zu verunglimpfen. Weil einerseits aktuell operierende konzernbosse zu wort kommen und die eindeutig bezeugen, wie man mit der konsequenten verweigerung der eigenen verantwortung ( …also ich bin überzeugt, dass die verantwortung für die arbeitskräfte und für die umwelt nicht beim investor liegt…) mehr als sehr gut leben kann und auch mit keiner wimper zucken muss, wenn man in der luxuslimousine durch die slums einer asiatischen stadt cruist und dabei per handy ganz nonchaulant und sehr cool die fäden zieht. Mein gott, muss das geil sein! All diesen menschen, die es zu nichts bringen, das neue auto vorzuführen und dabei per mousecklick ein paar millionen verschieben. Geil, geil, geil!
Andererseits kommen hier menschen zu wort, die einmal in dieser liga mitgespielt haben und sich zumindest jetzt einer gewissen verantwortung stellen, indem sie die brutalen spielregeln der freien marktwirtschaft offen legen. Das sind im grunde ein paar wenige. Den staat unterwandern und entmachten (also privatisieren, wo geht), sich jeglicher kontrolle zu entziehen (was ja nur durch einen ohnmächtigen staatsapparat möglich ist), steuerinseln schaffen und irgendeinen punkt gabs noch, der mir jetzt entfallen ist, sich aber wohl unter dem begriff “nix scheißen” subsumieren lässt. Ein simples vier- oder fünf-punkte-programm, das in den letzten zwanzig, dreißig jahren konsequent durchgezogen wurde. Nicht, dass vorher alles gut war, nein, nein, nein, das ist eine andere geschichte. Aber irgendwie ist jetzt alles noch undurchschaubarer und in welchem steuerparadies wer wie viel geld geparkt hat, wird nie und nimmer mehr ans tageslicht kommen!
Schön, dass es aber dann doch hin und wieder einen der smarten drahtzieher der misere erwischt, aber es ist schon seltsam, dass immer erst schon aus der politik ausgeschiedene personen, erst wenn alles schon fast verjährt ist, von öffentlicher hand zur verantwortung gezogen werden. Obwohl, der allein kann ja wohl nicht schuld gewesen sein. Und dass niemand was gewusst hat, mag ein österreichisches problem sein und bringt nur den umstand ans licht, dass es keine, aber wirklich absolut keine überparteiliche instanz in diesem land gibt. Was so landestypisch dann auch wieder nicht sein dürfte.
Manchmal genügen aber auch bilder ohne kommentar, die dem betrachter den irrwitz überdeutlich vor augen führen. In besagtem film war es eine kameraeinstellung, die eine ansammlung an wellblech-pappschachtelhütten zeigt, die zusammengekauert unter überdimensionalen plakatwänden stehen, an denen in leuchtenden farben für die deutsche bank geworben wird. “…….!?”
Ich versuche gerade gehirnwindungenringend eine schreibtechnische schleife zu vollbringen, um den eintrag irgendwie rund abzuschließen. Aber ich bin noch nicht fertig. Ich bin noch lange nicht fertig!
17.8.2009
Ouups, wie die zeit vergeht! Wie war das nochmal mit den guten vorsätzen? Egal. Weils so schön sommert zurzeit, heute ein neues kapitel aus: “wiener badefreuden”. Nachdem ich mich nicht wieder zu einem besuch im stadionbad durchringen konnte, obwohl es doch so nah ist, und ich mich doch frage, warum ich für etwas zahlen soll, was es auch gratis gibt, bin ich reumütig wieder in die lobau zurückgekehrt. Ich meine, das muss man schon mögen, die pralle menschlichkeit ganz unverhüllt vor der nase zu haben. Da kann man schon ein bisschen staunen, welche formen so ein körper annehmen kann. Aber dafür ist alles echt (außer den neuen brüsten der mutter von famile “happy-peppy1″). Und die spanner, naja, auch ich ertappe mich gelegentlich beim blick unter die gürtellinie, obwohl ich mich von ex-berufs wegen an genitalien schon satt gesehen haben sollte. Nein, nein, es ist jetzt nicht so, wie es phantasiebegabten menschen vorkommen könnte. Ich gehörte der berufsgruppe an, die fast so häufig genitalen sichtkontakt hat, wie die, die nicht ganz so guten ruf genießt. Daraus ließe sich sicherlich ein guter krankenschwesternwitz machen. Oder gibt’s den schon? Also g’schreckt bin ich nicht, was das betrifft. Und außerdem gibt’s auch einige offene füße zu bestaunen, für die man als medizinisches fachpersonal vielleicht interesse aufbringen könnte. Leider ist meines daran mittlerweile leider gleich null und außerdem will ich solche beine nicht vor mir das wasser betreten sehen, wenn ich gerade im begriff bin, das gleiche zu tun. Da bin ich schon ein bissel heikel. Dagegen sind die opulenten krampfadern, die aussehen, als winde sich eine anakonda unter der beinhaut faszinierend, aber nicht im mindesten grauslich. Das wird es dann gelegentlich wieder bei der analyse der sprachlichen absonderungen. Wenn zum beispiel enkellose pensionisten rund um den kinderspielplatz liegen, und die sich dann abends darüber mokieren, dass das wasser jetzt schon sehr grauslich sei, nachdem die kinder alles versaut hätten. Was sind schon eitrige geschwüre dagegen? Warum sollte man dagegen aversionen haben? Staphylokokken und pseudomonaden sind doch allgegenwärtig und sich aufregen, nur weil sie sich auf einem bein zu einem geselligen festessen versammelt haben? Nichts gegen hektoliter kinderpipi. Muss wohl an meiner latenten bakterienphobie liegen. Lustiger war happy-peppy-family 2, die durch die weiblichen mitglieder durch beängstigend hohen tussifaktor meine aufmerksamkeit erregte. Was kann man sich nicht über die kinder anderer leute auslassen, die so gar keinen charme hätten, weder “bitte” noch “danke” sagen können und einem obendrein nicht einmal in die augen schauen, bei der konversation, obwohl sie sich schon in der pubertät befänden. Und ob man der freundin das nicht einmal sagen sollte, dass ihre missratenen gschrappen es einmal sehr, sehr schwer haben würden im leben. Da kostet es schon einiges an kraft, unbeteiligter beobachter zu bleiben. Nach einiger zeit aber dann ein abruptes ende der debatte durch die ebenfalls pubertierenden filiusse der supermutter. Nachdem die erziehungsberechtigten nämlich bei der frage des richtiges muskeltrainings angekommen waren, erfrischte einer der burschen die szene, indem er der mutter weithin hörbar riet, sie solle doch einmal ihre muschi trainieren. Da wusste ich, das kind hat trotz schwierigem elternhaus potenzial!
4.8.2009
Vielleicht sollte man das sommerloch sommerloch sein lassen und einfach schlafen gehen. Vielleicht sollte man die leere als einen zustand der bedürfnislosigkeit annehmen und begrüßen. Vielleicht sollte man endlich einmal lernen, zu gehen, wenn die dinge im laufen sind und zu ruhen, wenn sowieso nichts getan werden kann. Vielleicht könnte man sich zur abwechslung einmal zufrieden zurücklehnen und seine arbeit würdigen. Und vielleicht sollte man einfach nur danke sagen dafür, dass der wunsch nach einem kleinen erfolgserlebnis erfüllt wurde. Einen kleinen augenblick die zeit genießen, bevor es wieder weiter geht. Noch zehn minuten geburtstag! Die gönn ich mir jetzt und werd’ ein bisschen träumen!
31.7.2009
Wie meistens, wenn ich mich über dinge auslasse, die mich emotional berühren, muss ich hinterher gewisse dinge ins rechte licht rücken. So muss ich die hohlköpfe aus dem letzten eintrag ein wenig präzisieren. Weil sie doch sicherlich eine menge im kopf haben, allerdings fehlt vermutlich entscheidendes in anderen regionen. Im herzen vielleicht, oder in der seele. Sind sicherlich intelligente menschen, ansonsten sie nicht fähig wären, komplexe sachverhalte zu thematisieren und auf papier zu bringen. Gleich der menschen, die uns regieren, studien absolviert haben und nicht auf den kopf gefallen sein können, wenn sie es schaffen, in derart verantwortungsvolle positionen zu gelangen. Dass trotzdem so viel verkehrt läuft in der welt darf wohl als beispiel gelten, dass wir mehr von unseren trieben und persönlichen bedüfnissen beherrscht werden, die der großen sache doch oft einigermaßen im wege stehen. Woraus ich den schluss ziehe, dass es eine vielfältige palette an intelligenzen gibt und dass von sozialer intelligenz erst dann gesprochen werden kann, wenn man in der lage ist, sich selbst und seine motivationen von außen zu betrachten und sich somit selbst mit der welt in bezug setzen kann. Das aber widerspricht der uns beherrschenden vorstellung vom dynamischen, selbstbewussten erfolgstypen, der konsequent seinen weg geht und nur den persönlichen erfolg im auge hat. Das sind die klassen burschen und mädchen, die uns vormachen, wie es geht. Denen gilt unsere bewunderung. Auch wenn sie tief in ihrem inneren von einem emotional vernachlässigten kind beherrscht sind, das noch immer verzweifelt versucht, die fehlende anerkennung seiner eltern zu erbetteln. Die absolut erstaunlichste fähigkeit des meschen ist wohl diejenige, gerade die dinge nicht zu sehen, die am augenscheinlichsten sind. Was ich nicht sehe, ist nicht da. Das lieblingsspiel schon der allerkleinsten kinder bleibt beliebt, ganz bis zum schluss.
But at the very end, we have to face the truth. In any way..
29.9.2009
Mein gehirn ist ein fauler sack, zur zeit. Drösig von der sommerhitze am tage, eingelullt vom zirpen der grillen in unseren zum glück grünen innenhöfen. Beschäftigt allein mit der logistik der einlagerung der üppig gedeihenden erträge aus dem gemüsegarten und der suche nach ausbildungsmöglichkeiten, die mir ohnehin nicht bezahlt werden. Einzig die aussage in einem literaturblog konnte es ein bisschen aufscheuchen, demzufolge man sich erst als schriftsteller bezeichnen dürfe, wenn man es geschafft hat, etwas zu publizieren. Den gedanken verstehe ich nicht ganz. Meines bisherigen erkenntnisstandes zufolge muss ich erst etwas schreiben, um dies dann zur veröffentlichung anbieten zu können. Wenn ich mich also nicht der schriftstellerei widme, werde ich nichts zum veröffentlichen haben. Was mich an dieser saudummen, alle schreibenden menschen verfolgende diskussion am meisten verstört, ist die arrogante schroffheit, mit der derartige aussagen getätig werden. Als sitzen die, die es geschafft haben (deren leistungen ich keineswegs schmälern möchte) in einem elfenbeinturm und sind eifersüchtig darauf bedacht, niemand anderen in den erlauchten kreis aufzunehmen. Als wären nicht die auch durch die hölle und zurück gegangen und waren froh über jede hand, die sich ihnen entgegenstreckte. Und als wüssten nicht alle, wie seltsam es zugeht, im kunstbetrieb. Es ist äußerst herblassend und dumm, potentielle debütanten beständig in ihrem bemühen durch derartige mieselsucht zu schikanieren. Die eigenen Zweifel plagen genug. Es gibt keine konkurrenz in der kreativität und wer das nicht begreift, hat nichts begriffen. Schon gar nicht, dass das leben und die weiterentwicklung eines talents ein weg zur wahrhaftigkeit ist. Eine möglichkeit, ein leben auf eine einzigartige art zu leben. Wenn sich also jemand als schöpferischer mensch begreift, dann meistens dann, weil es für ihn die einzig wahre möglichkeit ist, das leben zu begreifen und zu gestalten. Ich schreibe, also bin ich. Wer das von sich behauptet, braucht keine literaturkritiker, um seine identität zu besiegeln! That’s it, von meiner seite an die vom wissenschaftlichen diskurs und ihrer selbstgefälligkeit aufgeblähten hohlköpfe.
Was eigentlich ungleich bedeutender ist, ist der umstand, dass ich die große freude habe, eine neue erdenbürgerin begrüßen zu dürfen! Einen innigen willkommensgruß an die kleine ada, die gerade das leben in vollen zügen einsaugt. All the best for you! Möge dein weg von dummen aussagen verschont bleiben!
27.7.2009
Ich habe das jedes jahr aufs neue thematisierte sommerloch immer für eine zeitungsente gehalten, eine liebgewordene tradition, die man halt so pflegt, um zu rechtfertigen, dass man ab einer gewissen höhe der außentemperaturen doch lieber ins freibad ginge. Denn die probleme hören ja nie wirklich auf. Allerdings stelle ich gerade fest, dass ich mich entweder selbst lieber ausschließlich unverfänglichen dingen zuwende, oder das sommerloch doch tatsächlich eine immerwiederkehrende realität ist. Irgendwie fliegen mich keine themen so drängend an, dass ich mich unbedingt sofort damit beschäftigen muss. Weder die der welt, noch meine ganz privaten. So fasse ich ziemlich unmotiviert mal das eine, mal das andere ins auge, um es dann wieder dem sommerlüftchen zu überlassen. Sei’s drum.
Apropos freibad. Letzte woche hatte ich nach ungefähr fünfzehnzehn jahren wieder einmal das gefühl, ins stadionbad zu müssen, obwohl ich sonst lieber die lobau oder andere naturgewässer bevorzuge. Es liegt fahrradtechnisch ebens so günstig. Prater und so. Eins vorweg, ich weiß jetzt, dass negative erinnerungen eine halbwertszeit von circa einenhalb jahrzehnten haben und warum ich so lange nicht dort war. Aber interessant ist es allemal. Wenn man es schafft, die überaus üppigen sinneseindrücke ein wenig wegzublenden. Was für mich nicht ganz einfach war, da mir der dezente sozicharme ein flashback an einen bulgarienurlaub in meiner weit hinter mir liegenden kindheit bescherte. Schmankerleck’, auch bistro genannt, tres chic, mit speisesaal auf waschbetonbasis. Überhaupt beton in allen varianten und scheußlichkeiten. Aber der eindruck täuscht: an allen ecken und enden lukullische gaumenfreuden aus der fritteuse. Da fehlt es an wirklich nix, außer vielleicht der gesunden pause. Obwohl, das ist gelogen. Am obsstand “kremleck” gibt es pfirsiche sückweise, sogar wassermelonenschnitze nebst einer von fünf chipsbuden. Und das wird alles gegessen, trotzdem die fettige dunstglocke über dieser stätte des genusses einen transfette für ein jahr atmen lässt . Da kann man im sommer schön leben, wenn die kabane einmal im familienbesitz ist! Welch ein mensch der im kreise der famile kabanenübersommernde, rundumgegerbte wiener im grunde seines herzens ist, überlasse ich an dieser stelle der phantasie. Meine phantasie bringt mich zu der erkenntnis, dass der kürzeste weg zu einem postkommunismusfeeling durch ein wiener gemeindebad führt. Wer sagte das noch mal? “Schaun Sie sich das an!”
23.7.2009
Vor kurzem hat sich ein mensch den ich kannte, das leben genommen. Gefunden hat man ihn erst, als die zeichen der auslöschung nicht mehr zu ignorieren waren. Den zurückgebliebnen bleibt die kindliche hoffnung, dass es für die am leben zerbrechenden einen besseren platz als diese welt gibt.
Soeben habe ich mich dabei ertappt zu beobachten, ob das haarige samenkorn, das bei einem fenster hereingesegelt ist, den weg zum gegenüberliegenden fenster hinaus in die freiheit schafft. Und mit ihm ist der gedanke hereingeflogen, ob das alles sein darf. Ob man dasitzen und nur den lauf der dinge beobachten darf. Was alles sonst könnte man mit der zeit anfangen. Was muss man damit anfangen? Wo ist die grenze zwischen einem erfüllten sein und dem tief verwurzelten drang, eine spur zu hinterlassen. Irgendetwas, das daran erinnert, das man da war. Um nicht unterzugehen im meer der namenlosen.
19.7.2009
Mapetos ist zurück aus den ferien und hat dank eines naturerlebnisses der besonderen art eine fundamentale selbsterkenntnis im rucksack! Wir menschen vergleichen uns doch so gerne mit den verschiedensten kreaturen aus dem tierreich. Da gibt es die einsamen wölfe, die starken löwenmütter, die angsthasen, die dummen schafe und was da noch alles kreucht und fleucht. Und irgendwie ist ja jeder ein bissel etwas von alldem. Ich für meinen teil aber musste feststellen, dass für mich zunehmend ein tier pate steht, das auf der beliebtheitsskala nicht unbedingt zu den tieren zählt, auf die man neidvoll blickt, oder die man sich als kuscheltierchen ins bett holt. Also ganz von anfang an: urlaub bei freunden mit mischpoche. Sehr fein, sehr entspannt, sehr idyllisches plätzchen. So circa ab dem zweiten abend fällt uns neben, beziehungsweise ober dem tiefen, weit schallenden froschgequake ein monotoner, nicht näher beschreibbarer dauerton auf. Reihum wird auf ultraschall, insekten, wasserpumpen und dergleichen getippt. So nach und nach machen wir uns in kleinen grüppchen auf zum froschteich, wo das signal offensichtlich seinen ursprung hat. Als ich da so im dunklen sitze, unterm sternenzelt, neben dem schwarzem wald, da gruselt es mich fast ein bisschen. Das geräusch ist so unheilvoll, dass ich sofort einen horrorfilm vor augen habe. Die sequenz, kurz bevor das unfassbare geschieht. Da trifft mich die erkenntnis: so müssen sich unkenrufe anhören! Die nachfrage bei den einheimischen bringt die bestätigung. Gelbbauchunken. Und seitdem verfolgt mich folgendes bild: ich mit knallgelbem blähbauch im morast sitzend und ungefragt unheil verkündend, ob der schlechtigkeit der welt. Wenn das keine übung ist, wieder einmal herzhaft über sich selbst lachen zu lernen! Danke, anke. Äh – unke.
9.7.2009
Es sollte mich ja nicht mehr konfusionieren, dass nach einer kreativen high-time eine kleine stagnation folgt. Weil auch diese dinge dem gesetz der serie folgen. Allerdings handelt es sich um keinen wirklichen absturz, sondern eher um einen abrupten rückfall in die normalität. Fühlt sich nur irgendwie anders an als sonst, die normalität. Weil man so voll kraft im laufen ist und erst merkt, dass das ziel vielleicht doch ein bissel weiter links ist, oder man doch wieder einmal atem holen sollte. Aber auch das kann mich nicht ernsthaft meiner gelassenheit berauben, fühle ich mich doch so frei, zurzeit!
War nur ein bisschen enttäuscht gestern, keinen beitrag geschafft zu haben. Fühlte mich wie leergeschrieben. Null bock, mich mit tagespolitischen entgleisungen zu beschäftigen. Möglicherweise lag es auch an der diskussion, ob die strafbarkeit bei verschenkten guglhupfen im sinne des antikorruptionsgesetzes gegeben ist, die bei mir einen olympiareifen gähnkrampf ausgelöst hat. Okey, ich gebs zu, jetzt ungerecht zu sein, aber als der guglhupf kam, hat mein hirn dichtgemacht. Ich meine, worüber reden wir hier?! Dass die wirklich großen g’schäftln in der wirtschaft und in der politik, wie wahrscheinlich auch im kunstbetrieb und überall sonst durch die überreichung liebevoll dekorierter, selbst gebackener kuchen zustande kommen?! “Mei, des wär’ doch net nötig g’wesen! Hmm! Da hat sich die gnä’ frau mama aber wieder selbst übertroffen!”
Bullshit!!
Bevor ich mich doch wieder hineinsteigere, verabschiede ich mich an dieser stelle für eine woche oder vielleicht ein bissel mehr in die ferien. Auch idealverblendete weltverbesserer müssen in ihrer emotionalen unreife mal urlaub machen!
7.7.2009
Es gibt die gäsernen tage und es gibt die bunten, wo das leben von allen seiten auf einen einströmt. Um aus gläsernen bunte tage zu machen, genügt es oft, nur eine winzigkeit zu verändern. Im denken, im tun und in der bereitschaft, offen zu sein. Dann hat man im glücklichsten fall ein produkt in händen, von dem man überzeugt war, es niemals zustande zu bringen. Und man ist einen schritt weiter. Man hat sich selbst ein stück mehr verstanden und seinen weg ganz klar vor augen und die überzeugung, dass dies wirklich der richtige ist, bestätigt bekommen. Und genau an diesem punkt sollte man innehalten und in stiller dankbarkeit an jene denken, die einen mittragen, die einen nicht los lassen. Um dann mit gelassenheit die reise fortzusetzen. Thanks my dears, wir geben nicht auf. Never ever!
6.7.2009
Der efeu und der wilde wein wachsen unbeirrbar die grauen mauern hoch und lassen sich nicht von der hässlichkeit beeindrucken, die verfallendes mauerwerk auf den ersten blick zur schau stellt. Vielleicht ist diese erkenntnis genug für einen tag.
Was die siebenschläfer betrifft, so muss ich noch eine kleine geschichte nachreichen: ein lauer sommerabend, ich sitze mit einer guten freundin im garten, wir trinken etwas rotwein, reden über dies und das und sind trotz der nicht nur erfreulichen themen guter stimmung. Ein erfüllter tag liegt hinter uns, es ist ruhe eingekehrt. Bevor wir ins bett gehen, räumen wir die gläser noch weg. Als die freundin sich zum geschirrspüler hinunterbeugt, sehe ich einen “ohrenzwicker” auf ihrer schulter krabbeln. Bei uns zu hause werden diese tiere “uhrnschliafa” genannt, weil sie angeblich in die ohren hineinschlüpfen. Was aber ein märchen ist, womit man den kinder respekt vor insekten beibringen will. Jedenfalls krabbelt da so ein tierchen auf ihrem ärmel und als ich es runterwischen will, sage ich ganz ernsthaft: “du hast da einen siebenschläfer am arm”, worauf die freundin trocken entgegnet, dass ihr das wohl aufgefallen wäre und sich darüber wundert, was so ein bisschen wein mit mir anrichtet. Nun ist die geschichte wahrscheinlich für unbeteiligte gar nicht so lustig wie sie für uns in der situation war, aber spannend finde ich allemal, wie unser gehirn mit assoziationen arbeitet, weil einen tag später mich die siebenschläfer bei einem ganz anderen thema wieder scheinbar grundlos anspringen. Und das ist wieder der schöne beweis, dass man nicht ständig aktiv über probleme, plots für geschichten, u.s.w. nachdenken muss, um zu einer lösung zu kommen. Gehirn auf standby reicht in manchen belangen völlig!
5.7.2009
Ich hatte für heute den vorsatz, einmal von etwas nettem zu schreiben. Ich habe nicht ferngesehen, nicht radiogehört, ja sogar der wochenendfixpunkt, beim frühstück eine tageszeitung zu durchschmökern ist dank eines sehr feinen wochenendprogramms entfallen. So weit, so gut. So ein bisschen die leute abklappern, die einem überaus am herzen liegen und es noch dazu verstehen, durch den tag zu gleiten und zu genießen, was es zu genießen gibt. Ein bisschen mediterranes urlaubsfeeling in einen österreichischen garten zu zaubern, ist selbst bei launischem wetter gar nicht so schwer. Wie gesagt, so weit so gut und somit bin ich meinem vorsatz auch treu geblieben, wofür ich mich jetzt etwas loben werde. Nicht zu viel, das verbietet meine erziehung zur bescheidenheit. Dem weiteren verlauf dieses artikels muss ich voranschicken – und hier kommt der bruch – dass ich ein zerrissenes wesen bin, also das ist meine “fremdmeinung” über mich. Meine “selbstmeinung” findet da aber gar nichts dabei. Egal. Ich bin ein landei in der großstadt und kann mich weder für das eine, noch für das andere leben ausschließlich entscheiden. Das kann man nun als negativ bewerten (wer sich alle türen offenh…), oder aber man findet das so wie ich ganz gut, weil man durch das pendeln immer das gerade ganz genießen kann, wo man halt gerade ist. Zugegeben, es wäre leichter, sich 2 gleichwertige haushalte leisten zu können, jeweils mit einem guten geist darin, der die behausung liebevoll für die nächste ankunft bereit hält. Womit jetzt die phantasie mit mir durchgegangen wäre. Also ich brauche den wald. Ich brauche duftende, surrende wiesen, ausdruckslos schauende kühe, ein reh im obstgarten, vogelgezwitscher und gut, die blindschleiche letztens in der küche, spätnachts, die dort lag, wo eigentlich eine getränkeflasche hätte sein sollen, also die hätte ich nicht unbedingt da gebraucht. Aber ich hatte auch schon mal einen frosch und einen igel und die siebenschläfer am dachboden sind sowieso eine eigene geschichte. Andere menschen sitzen halt stundenlang als lotusblüte auf einem pölsterchen, ich laufe lieber stundenlang mit gehirn auf standby durch den wald und sammel irgendwas. Sowas hat man anscheinend in den genen, bei uns zu hause machen das alle. Und da gibt es unseren heimatwald, durch den ich mich dann hindurchbewege und garantiert immer etwas finde und wenn es nur ein paar gute gedanken sind. Auf jeden fall, danach bin ich meistens wieder richtig positioniert in der welt, wenn da etwas aus dem lot war. Heute sind schwesterherz und ich wieder mal gemeinsam losgestapft, es gab him- und heidelbeeren. Wir haben da so bestimmte plätzchen, die wir abklappern, und das hat nur am rande damit zu tun, dass dort ganz gerne leckere pilzchen wachsen. Ich komm’ heute nicht auf den punkt und laufe gerade gefahr, ein sehr ernstes thema durch meinen launigen plauderton lächerlich zu machen. Aber wie soll man bitte verkraften, dass man ein stück natur, in dem man sich wie in der westentasche zu hause fühlt, plötzlich nicht mehr wiedererkennt? Es ist so ähnlich wie bei der unendlichen geschichte mit den immer größer werdenden flecken an nichts, nur dass das nichts in diesem fall wie flächenbrand aussieht! Da gab es einen wald, der war groß und schön und gesund und abwechslungsreich. Und jetzt gibt es breite straßen (ohne wegweiser!), von und für große maschinen gemacht, einen zernarbten boden ohne grün und moos für die zwerge. Und überhaupt sieht das so aus, als wäre das ein schlachtfeld, als wäre da ein riese durchmarschiert mit einer ungeheuren wut im bauch. Ich könnte ja vieles verstehen. Ich kann ja verstehen, dass aus dem wald mal bäume geschnitten werden. Ich weiß auch, dass diese arbeit hart ist. Und ich weiß auch, dass eine neue holzerntemaschine sehr teuer ist. Die ist sogar so teuer, dass man sehr viel holz dafür verkaufen muss, damit die sich amortisiert. Für die paar bäume, die da rauszuschneiden sind, hat sich die anschaffung sicher nicht gelohnt. Vielleicht weiß das auch der waldbesitzer. Und vielleicht hat er darum auch so eine wut im bauch…
3.7.2009
Vielleicht sollte man wirklich aufhören, informationssendungen und fernsehen überhaupt zu konsumieren. Hat man es denn wirklich nötig, via rundfunkempfangsgerät selbstgefällige, arrogante menschen ins wohnzimmer zu lassen, welche die ihnen gebotene bühne dafür benutzen, in abgeschmacktester weise ihre überlegenheit zu demonstrieren? So geschehen gestern, im wirtschaftsmagazin “eco” in einem beitrag über verarmende millionäre. Da lacht ein mensch in die kamera, der uns mit treuherzigem blick versichert, dass er nun auch etwas sparen müsse und deswegen seine hobbies eingeschränkt habe. Er gehe nur noch fischen, das wäre das einzige, vielleicht noch – was wars noch gleich – golfen(?), da hat mein erinnerungsvermögen einen aussetzer. Und jagen? Ja, auch ein bisserl (ertappt grins). Zufälligerweise wohne ich ganz in der nähe eines der büros dieses menschen und die schlichte eleganz dieses nach außen hin hermetisch abgeriegelten anwesens (es dürfte sich um ein etwas größeres büro in hausform inmitten eines garten handeln), lässt einen gewissen hang zur exklusivität erahnen. Ist alles legitim. Große geschäfte, brauchen einen großen rahmen und er wird schon dafür arbeiten. Eine skurrile wendung nimmt der verlauf des beitrages, als der darbende millionär seine überzeugung ausdrückt, seinen ”untergebenen” (vielleicht hat er auch mitarbeiter gesagt) ein moralisches vorbild sein zu müssen, indem er ihnen vorlebt, dass in schlechten zeiten eine reduktion des lebensstiles vonnöten sei (das hat er aber schön auswendig gelernt!). Ich habe daraufhin in der nacht noch ein bewerbungsschreiben verfasst, denn ich möchte unbedingt einen job in einem unternehmen, dass seine mitarbeiter so fürstlich entlohnt, dass am gehaltszettel der vermerk: “denk’ an die armen kinder da draußen und gib nicht alles für kaviar aus!” angebracht werden musste. Es gibt sie noch, die wunder und die wohltäter!
2.7.2009
Kompromisse sind ja wie die vor einiger zeit hier behandelten vorsätze eine gute sache. Muss man sich ja den lebensraum mit vielen anderen teilen. Da zeigt die geschichte, dass es überaus unappetitlich werden kann, wenn zwei oder mehrere andeinander geratene parteien zum äußersten bereit sind. Aber es gibt in jedem leben stationen, wo kompromisse kein gangbarer weg mehr sind. Vielleicht weil man schon zu lange eingeständnisse in einem bestimmten bereich gemacht hat. Weil man möglicherweise an einem ”jetzt-oder-nie-punkt” angelangt ist, und weil es in gewisser weise darum geht, sich seinen themen zu stellen und sich zu dem zu bekennen, was man wirklich möchte. Und damit letztendlich zu sich selbst. Die tragik der menschheit besteht ja darin, dass es sich nur ein bruchteil der bevölkerung erlaubt, auf ihre innere stimme zu hören und in der folge dazu bereit ist, einen meist anstrengenden, aber erfüllenden weg zu gehen. Über die gründe dafür kann man spekulieren. Jedenfalls hat es eine lange tradition, deren anfänge nicht mehr auszumachen sind. Das ergebnis ist eine von boshaftigkeit und terror gebeutelte menschheit, die es noch immer nicht verstanden hat, dass die zwischenmenschlichen auseinandersetzungen das produkt davon sind, dass wir uns als individuen nicht erlauben, glücklich zu sein. Je heftiger das eigene glück unterdrückt wird, umso weniger glücklich wollen wir auch unsere mitmenschen sehen. Statt dessen verrennen wir uns in unsinnige grabenkämpfe mit den nachbarn, treiben unseren kindern ihre lebensfreude aus und schotten uns gegen alle ab, die noch hilfsbedürftiger sind als wir selbst. Wenn dabei ein paar asylsuchende absaufen – so what!? Hauptsache, sie lassen uns zufrieden in unserem selbstmitleid weiterverrotten!
…und zur Abwechslung mal was nettes:
und wieder: musik! Hatte gestern das ausgeprochene glück, einem ausnahmekonzert beizuwohnen. Es ist gar nicht schwer, sich einen abend wohlfühlen zu organisieren. Online in einem veranstaltungsprogramm surfen und 2x lambchop bestellen – voilá! Zwei stunden unaufgeregte musik, die dennoch unter die haut geht und es versteht, dir in absolut angenehmer weise die schädeldecke zu sprengen. Kontrollverlust at it’s best! Ohne chemische hilfsmittel high sein. 5 gitarren, die angespannte muskeln massieren, ein bass, der den herzschlag ins lot bringt, eine stimme, die sich in hirn und seele einquartiert und dort aufwühlt und aufräumt zugleich. Mehr braucht es nicht, außer einem schlagzeug, das ohne drama auskommt und dennoch zu zeigen versteht, dass rhythmus nicht einfach rhythmus ist. Dann gab es noch ein keyboard, das garnierte das ganze mit dem sahnehäubchen!
1.7.2009
Gestern wurde in einer nachrichtensendung eine studie präsentiert, wer zu den mächtigsten menschen in österreich gehört. Mächtig eher im sinne von einflussreich, also von hintenherum seine interessen durchsetzend, wie mir scheint. Das ergebnis war sowas von überraschend! Die menschen, die es am besten verstehen, zu “networken” und somit auf die politik einfluss zu nehmen, sind erstens männer, und zweitens kommen die ausnahmslos aus der banken- und wirtschaftswelt! Hätte man nicht vermutet, wenn man die wirtschaftspolitik der letzten jahre mitverfolgt. Ich meine, wegen der paar tausend lobbyisten in brüssel braucht man sich doch auch weiter keine gedanken zu machen! Wenn man dazu die tatsache addiert, dass ein herausgeber einer ach so meinungsfreien tageszeitung sich als königsmacher der politiszene aufschwingt (und gehör bekommt, statt eines groben anpfiffs), dann braucht man sich weiter keine gedanken mehr um die demokratie zu machen. Gute nacht, schlaf gut und träum’ weiter. Einer meiner lieblingsjournalisten hat die voraussetzungen für eine mögliche einflussnahme so zusammengefasst: a) mann sein, b) manager einer (bestimmten) bank sein, und c) der jagdschein schadet auch nicht. Ich vermute, die landesjagdverbände werden wohl in nächster zeit einen großen mitgliederzulauf haben. Alles andere ergibt sich dann schon…
Eventuell vorherrschenden unmut über nach wie vor (ungerechtfertigt) ausgeschüttete bonuszahlungen, billiges geld für die banken, das dann umgehend und ungestraft eingebunkert wird, personalabbau im großen stil und welche zuckerln für die indurstrie auch immer, also sollte es da widerstände geben, bitte das im salzamt zu deponieren!
Ich bleibe nach wie vor und trotz längst längst erfolgter ernüchterung erschüttert!!
27.6.2009
Achtung, jetzt neue reihung der beiträge! Also die, die eigentlich normal ist. Aber ich bin ein mensch, der wohl dazu tendiert, immer das gegenteil von dem als normal anzusehen, was die breite masse als normal empfindet. Na ja, so schlimm ist es auch wieder nicht, in seinem äußeren erscheinungsbild gibt sich mein leben unaufgeregt und auf den ersten blick kann es sogar spießig erscheinen. Konventionell halt. Und damit hadere ich ab und an, peitsche mich mit nassen fetzen und schreie bei jedem schlag, warum bist du nur so verkackt normal und bist nicht, aber schon gar nicht in der lage, ein bisschen freaky zu sein! ? Dein leben ist so spannend wie das programm einer öffentlich-rechtlichen rundfunkstation! Da kann man schon ein bisschen dran verzweifeln. Echt jetzt, ich kann mich nicht einmal an meinen letzten erotischen traum erinnern! Hatte ich überhaupt schon mal einen? Und das in einer welt, in der schon die vierzehnjährigen recht frei von der leber weg über diverse liebestechniken referieren. Sollte durch diese aussage der eindruck entstehen, ich hätte noch nichts erlebt, so täuscht das jetzt - sorry). Wo wollte ich denn eigentlich hin? Ah ja, ich wollte zu dem mir sehr suspekten punkt, dass die breite masse einen lifestyle lebt, den sie eigentlich nicht lebt. Will sagen, dass in mir der verdacht keimt, dass alle nur so tun, als würden sie einen bestimmten lifestyle leben, der aber in seiner erscheinungsform so artifiziell und steril ist, dass er mir gar nicht lebbar scheint. Ich gehe sogar soweit, mich zu wundern, wie viele menschen sich so musterschülerhaft darum bemühen, sich dieses mäntelchen umzuhängen. Gebt es doch zu, die entspannung und der spaß fangen doch erst dann an, wenn man mit ein paar promille oder ein paar gramm sich so richtig enthemmt, sich nicht kämmt, das geschirr stehen lässt und die socken doch noch einmal anzieht, trotzdem man an ihnen gerochen hat! Es ist doch anstrengend, 25 stunden am tag gestylt, jedem anlass entsprechend gedressed, cool, produktiv, verführerisch, und bereit zu sein. Ohne üble gerüche, weil mit deo und stündlich gewechselten slipeinlagen und ja natürlich: schlank zu sein und keinen blähbauch zu haben! Keine frage, das ist zwar die voraussetzung für eine karriere und demnach ein fettes konto, zufriedene kinder, und eine beziehung, die noch nach jahren vor spannung prickelt wie ein one-night-stand, aber ist das nicht furchtbar teuer, die ausgebrannten stellen wegzuoperieren? Sollte nach diesen zeilen jetzt der eindruck entstanden sein, die diesen artikel verfassende person sei eine ungepflegte, widerlich riechende in einer minimalistisch-funktionalen behausung lebende wohlstandsverweigerin, dann täuscht das nun auch wieder. Möglicherweise aber und eventuell sogar sehr wahrscheinlich ist diese person aber nicht ganz normal!
31. 5. 09
Also ich blogge jetzt auch! Hallo, ist da jemand?
Wie öffentlich ist man in einem medium, das so frequentiert wie eine beliebige straße in einer beliebigen indischen stadt ist? Wobei, diese vorstellung reicht nicht aus. Ist nur das höchste, was mir menschenmengenmäßig so untergekommen ist. Und mehr auf einen haufen ist nach dieser erfahrung wirklich schwer vorstellbar!
An alle mathematiker da draußen: wie groß ist die wahrscheinlichkeit, dass es keinen einzigen zufallszugriff auf einen blog gibt?
1. 6. 09
Lieber Blog!
Vielleicht ist aber die ganz zentrale frage, was machst du aus mir? Du hast schon geschafft, mich stundenlang damit zu beschäftigen, einen passenden Rahmen für meinem Auftritt zu suchen und mich mit gestalterischen und technischen details in anspruch zu nehmen. Habe ich das noch nicht erwähnt? Ich bin kein mensch, der über ein großes kontingent an geduld verfügt!
Ich werkel halt jetzt mal so weiter, bis sich das eine oder andere von selbst löst und ich den arbeitstitel zu diesem projekt: “work in progress” von meiner festplatte löschen kann. Eigentlich will ich ja nur schreiben und den daraus resultierenden produkten eine stuktur geben. Aber wo fange ich nur an? Lieber blog, es ist nicht so leicht mit dir, ich fühle mich noch nicht bei dir zu hause..
Es ist nicht so wie beim staubsaugen, oder unter der dusche, wo ein gedanke ganz ungestört durch mein großhirn reisen kann. Sich systematisch aufbaut, sich in form bringt mit an genialität grenzender kombinationsgabe, blind andere themen hereinholt, die trotzdem miteinander bestechend logische Zusammenhänge ergeben. Immer tauche ich mit der gleichen frage auf: warum kann man das gehirn nicht mit dem pc kurzschließen, damit das nicht verloren geht!
Das ist es, was ich bei dir möchte, lieber blog. Nein, keinen chip im hirn. Ungestört auf wanderschaft möchte ich mich begeben bei dir, abgeschirmt von mir selber und der welt. Und meine reiseberichte sollen endlich lesbar werden.
2.6.2009
Ich stolpere über worte wie: trackbacks und pingbacks, kenne noch immer nicht den unterschied zwischen post und kommentar und artikel. Was ein widget ist und wie zum kuckuck das jetzt mit den kategorien funktioniert. Will ich das wissen, oder bleibe ich auch dem web 2.0 auf ewig eine halbfremde. Da wäre es wieder, das “sitzen zwischen den stühlen” und manchmal tröstet mich der gedanke nicht, deswegen einen objektiven überblick zu wahren. Für heute jedenfalls ist mein wissensdurst gestillt, ich gehe ins bett aber mit einer menge neuer ideen!
4.6.2009
Ja lieber blog. ein bisschen pause hilft oft, die dinge zu ordnen und zu verstehen: ich komme dir gerade auf die schliche. Dein eigenleben scheint ja begrenzt zu sein. Und nachdem ich deine statistik besehen habe, erübrigt sich die frage an die mathematiker. Offensichtlich gibt es sehr versierte blogger, die ein auge oder das gespür dafür haben, neulinge auszumachen. Nun denn, dann sollte ich meine eigenbrötlermasche vielleicht etwas zurück nehmen und etwaige besucher herzlich begrüßen und zum gedankenaustausch einladen!
7.6.2009
Bürgerpflicht erfüllt, zur wahl gegangen. Wiederum die frage, ob wir überhaupt eine wahl haben. Ist nicht einfach, mit dem weltverbessern. Immerhin gewählt, und also die legitimation, sich mokieren zu dürfen. Anschreien zu dürfen gegen den irrsinn der verblendung und überhaupt. Die selbstgefälligkeit der handelnden personen, immer nur eine seite zu betrachten. Liebe besucher, noch nichts interessantes, um mitzureden. Aber das, was mit der welt gerade passiert ist interessant genug. Besorgniserregend genug. Die geschichte holt uns gerade wieder ein, auch wenn das naiverweise nicht wahrgenommen werden möchte. Was nichts macht, solange nur kräftig eingekauft wird. Nun denn, die kommende woche wird kurz an ladenöffnungszeiten, seid effizient und schmeißt hinterher alles wieder weg. Die neuesten trends kommen bestimmt!
9.7.2009
Die frage nach der wahl bei der wahl ist eine durchaus interessante. Allerdings lässt sich dieses thema beliebig erweitern. Denn: haben wir die wahl, ganz generell? Ja natürlich demokratie; ja natürlich, selbstbestimmung .
Sicher? Ist es nicht immer eine frage eines systems, in dem wir zwangsweise oder selbst gewählt versuchen, unsere lebensentwürfe zu realisieren? Und schränkt “system” nicht immer irgendwie, und sei es nur durch eine vorherrschende denkrichtung ein? Wie leicht ist es, ein system zu verlassen und ohne verluste in ein neues einzusteigen? Und verlangt das nicht ein hohes maß an selbstreflexion und größe?
Für meinen geschmack neigt der mensch ein bisschen zu sehr dazu, konstrukte zu errichten, die nicht ohne regelwerk funktionieren. Das hat irgendwann einmal angefangen und seitdem wird nur modifiziert und abgeändert. Wir kommen da nicht mehr heraus. So viel auch im argen liegt: da gibt es keine alternativen und somit auch keine wahl!
10.6.2009
System also. Weil wir nach sicherheit lechzen. Weil die welt so groß und das leben so gefährlich ist. Darum also zimmern wir uns kuschelige kleine parallelwelten, in denen wir uns zu hause fühlen. Es gibt menschen, die in ihrer kleinen parallelhöhlenwelt ganz mit sich zufrieden wären. Wenn es nicht menschen gäbe, die ihre vorstellung einer etwas größeren parallelhöhlenwelt mit aufgeblasener impertinenz (zugegeben, manche versuchen es auch freundlich) unablässig hinaus schreien würden und damit versuchen, möglichst viele privathöhlenbesitzer um sich zu scharen, damit sie das tun, was der impertinenzler für sie für richtig hält. Und nur das. Und wenn viele impertinenzler aufeinandertreffen, sich gegenseitig beleidigen und einen wettberb daraus machen, wer wem wie viele wählerstimmen abluchsen kann, dann nennt man das…
Ja wie denn nun? Deppert? Kindisch? Peinlich?
15.6.2009
Man möge mir meine wortwahl am ende des letzten eintrages nachsehen. Bei bestimmten themen verliere ich mit schöner regelmäßigkeit die contenance..
Natürlich nennt man das nicht kindisch und deppert, sondern politik. Von der ich irgendwann eine ziemlich konträre vorstellung hatte. Ich meine, da mokiert sich die halbe welt, weil die jüngste generation spätestens in der pubertät ernsthafte verhaltensoriginalitäten aufweist, aber wer redet von den uns verwaltenden menschen, denen man ja eine gewisse vorbildwirkung andichtet?
Was war heute übrigens los? 38 besucher an nur einem tag? Zugegeben, die blogstatistik macht mich ein bisschen eitel. Und lässt mich diesem medium noch ein bisschen ratloser gegenüberstehen. Wie geht es nun wirklich zu in der blogger-welt? Wie tickt die/der richtige bloggerIn? Was ich ganz augenscheinlich nicht bin, da ich keine ahnung habe, wie ich für mich interessante blogs finden kann und es deshalb nach wenigen versuchen wieder aufgegeben habe. Ist wie eine sucht, ganz verstohlen nachzuschauen, ob nicht doch irgendwer.. Ich meine, ich bin davon ausgegangen, dass niemand - .. Und dann noch stolz drauf sein!
18.06.2009
Es gibt die gläsernen tage, an denen man wie durch unsichtbare wände von allem anderen getrennt durch die gegend schwimmt. Die luft steht still, alles was man tun kann, ist beobachten und wundern und nach dem ausgang zu suchen aus diesem vakuum. Weil diese losgelöstheit und dieses isoliertsein irritierend sind. Nichts und niemand scheint auf dich zu warten und nichts scheint möglich zu sein. Obwohl so viel zu tun wäre, fehlt sogar die kraft für die gedanken.
Vor einiger zeit fiel mir ein mann in unserer umgebung auf. Lateinamerikanischer herkunft, klein, freundlich, im park sitzend, bei schlechtwetter im einkaufszentrum und offensichtlich immer lernend aus einem zerfledderten, abgenutzten schulheft. Er schien viele bekannte zu haben, denn oft hob er grüßend die hand, lächelte ein erfreutes wiedersehenslächeln. Sein bekanntenkreis vergrößerte sich rasch, worum ich ihn beneidete. Von einer begnung zur nächsten, grüßte er immer häufiger in alle richtungen. Er wurde zurück gegrüßt, aber einmal fiel mir der blick eines vermeintlichen bekannten auf. Fragend.
Von da an verfolgte ich die grüße und blicke und dabei wurde mir klar, dass dieser mann niemanden kannte. Er verschickte seine grüßte wahllos an die passanten, bis er irgendwann nicht mehr auf adressaten wartete und ganz unbestimmt, in scheinbar vorbestimmten abständen ins leere grüßte. Sein lächeln war das eines clowns.
Und irgendwann war er nicht mehr da. Irgendwas fehlte in dem bild, bis ich begriff, dass er es war. Ein kleiner, freundlicher mann, der vergebens in die welt gegrüßt hatte. Und ich war überzeugt gewesen, er würde hier sitzen, bis ich endlich verstehen würde, dass er auch nach mir die hand ausgestreckt hatte.
21.6.2009
Vorsätze sind ja an und für sich keine schlechte erfindung. Aber was macht man als ein mensch, dem mit schöner regelmäßigkeit höhere macht ins handwerk pfuscht? Da kann man noch so viele gute ideen haben, mensch bleibt ein gewohnheitstier und hat seine gewohnheiten auch noch sehr, sehr gerne. Obwohl diese gewohnheiten einem oft kein bisschen weiter bringen! Welches motto könnte man hier bemühen? Mensch ärgere dich nicht (mit dir), auch wenn du nichts weiter bringst? Wenn du dich nicht, aber auch nicht den kleinsten millimeter von der stelle bewegst? Sollte dann noch ein grobes ungleichgewicht zwischen empfindsamkeit gegenüber durchaus gut gemeinter tritte in den hintern und einer vorauseilenden schicksalsergebenheit angesichts höherer mächte herrschen, was bleibt dann zu tun? Auf silvester warten?
23.6.2009
..deeply confused at the moment -
und das liegt nicht nur daran, dass ich beobachte, was der mensch so treibt auf diesem planeten. Das wäre nur die halbe wahrheit. Allerdings muss ich schon zugeben, dass gewisse vorgänge fragen aufwerfen. Zum beispiel die tatsache, dass nach gerade 2 monaten, nachdem die “neue grippe” in den medien aufgetaucht ist und als echte bedrohung beschworen wird, ein pharmazeutisches unternehmen tatsächlich kurz davor ist, einen impfstoff dagegen auf den markt zu werfen. Ich meine, es ist nicht schwer, informationen zu bekommen, wie viel zeit es in anspruch nimmt, ein neues medikament zu entwickeln und das genehmigungsverfahren zu durchlaufen. Selbst wenn die technik nicht neu ist, wie machen die das? Das passt doch einfach zu gut zusammen: die medienberichte, die empfehlungen der gesundheitsbehörden, die aktienkurse… Was wars noch mal letztes jahr? Vogel- und davor?!
Wie gesagt, da denkt es in mapetos’ kopf ganz heftig. Von den sinneseindrücken ganz zu schweigen – es stinkt nämlich! Weil man aber bei all dieser denkerei nicht weiter kommt, ist man geneigt, sich mit diesen und ähnlichen themen resigniert an das salzamt zu wenden. Aber das wäre wiederum zu einfach. Ähnlich komplex und verwirrend die tatsache, dass der preis für landwirtschaftliche produkte in mitteleuropa tatsächlich vom wetter in australien abhängig ist! Sollten sich also zufälligerweise landwirtInnen auf diese seiten verirren, die trotz allem planen, ihren betrieb zu vergrößern, so sei ihnen der ratschlag mitgegeben, vorab einen statistiker zu rate zu ziehen, der die wahrscheinlichkeit berechnet, wie viele gelbe fahrräder in china pro tag mehr umfallen müssten, damit die milch-, fleisch- und getreidepreise für die nächsten monate stabil bleiben!
25.6.2009
Was mich beim schreiben zunehmend stört, ist die notwendigkeit eine gendergerechte wortwahl finden zu müssen . Ist schon eine komplizierte sache, die jeden text ein bisschen holprig wirken lässt! Da haben wir nun 2 rechtschreibreformen hinter uns gebracht und schlagen uns mit der korrekten schreibweise des wortes “majonäse” herum, obgleich der durchschnittsbürger dieses wort doch recht selten wirklich verschriftlicht. Vielleicht gerade in der privaten rezeptesammlung (2 EL mayo…), aber das ist doch eher vernachlässigbar. Die wirklich wichtigen dinge bleiben aber von all diesen entwicklungen unberührt. Zum beispiel die abschaffung der groß/kleinschreibung würde vielen schülern ein weitaus angenehmeres leben schenken und damit weniger niederlagen bescheren. Und überhaupt, wären wir alle vermutlich ein wenig flüssiger beim fabulieren. Die artikel der deutschen sprache sind ein weiteres kapitel für sich. Wer braucht eine völlig willkürliche zuordnung der dinge zu einem geschlecht? DER mensch, ein rein männliches selbstverständnis? Ich würde diese geschlechtliche zuordnung gänzlich abschaffen und durch einen artikel ersetzen. ”Dos” wäre eine möglichkeit, die zumindest vielen dialektsprechenden menschen sicher leicht von der zunge gehen würde. Dann könnte man sich im nächsten schritt auf eine wortendung bei den berufsbezeichnungen einigen, die keine unterschiede mehr zulässt. Das wäre eine angewandte sprachanpassung an die erfordernisse der zeit! Ich meine, was haben anpassungen bei etwas so lebendigen wie der sprache für einen sinn, wenn den wirklich fundamentalen erfordernissen, zum beispiel der verinnerlichung der viel progagierten gleichstellung der geschlechter nicht entsprochen wird? Wer entscheidet hier? Und wer hat vor was angst? Statt dessen wird mein heiß geliebtes “ph” abgeschafft, das der allgemeinen verflachung der sprache zumindest ein bisschen eleganz entgegenhält! Andere vorschläge?!
26.6.2009
Michael jackson ist tot! Und die journalisten sind glücklich! Endlich mal wieder ein topic, das man so richtig aussaugen kann. Wäre der gedanke, sich an einer todesnachricht zu freuen, nicht so makaber, könnte man fast erleichtert sein: ein paar tage, in denen der wirtschaftskrise ein thema entgegen gehalten wird, an dem sich die kollektive dummheit abreagieren kann. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich in den letzten monaten gefragt wurde, ob ich denn nicht wüsste, dass wir von einer wirtschaftskrise heimgesucht würden. Das scheint zur zeit die antwort auf alles zu sein! Nur: was kann ich dafür? Vielleicht muss ich mir den vorwurf gefallen lassen, keine millionen zu verdienen und somit auch nicht in der lage zu sein, mittels konsum von luxusgütern die wirtschaft zu beleben. Und knirsch: ich greife im supermarkt zu aktionsware, obwohl mein gewissen mich beständig daran erinnert, doch mehr bio und fair trade zu kaufen. Und da und dort ein paar euros abzuzweigen und zu spenden, würde mich auch nicht umbringen. Aber einen vorwurf lasse ich mir nicht unterjubeln: mehr aus dem topf zu nehmen, als ich hineingebe. Und dass ich mir keine gedanken darüber mache, wie das alles anders funktionieren könnte. Aber danach fragt niemand! Und ja, ich habe mitbekommen, dass die wirtschaft als neuer gott über allem steht.
Aber irgendwie funktioniert gott nicht richtig..
Haben wir eine Wahl ?
Eigentlich haben wir doch immer eine Wahl… jedoch bei der begrenzten Auswahl der zu Wählenden fällt die Wahl dann doch sehr schwer.
Auch ich bin meiner Staatsbürgerpflicht nachgekommen und habe meine Wahl getroffen, nicht aus Überzeugung, aber um ein Zeichen zu setzen. Hat nur leider nichts gebracht und als ich dann den Rattenfänger mit den eisblauen Augen wieder einmal in die Kamera grinsen sah, wurde mir übel !
Das hatte ich nun von der Wahl !
Die Wortwahl sei dir verziehen … nur werde ich den Verdacht nicht los, dass “kindisch” und “deppert” eng mit der Politik verknüpft sind. Wie sonst ist es zu erklären, dass man sich – vor der EU-Wahl – schon vorstellen konnte den EU-Abgeordneten im Nationalrat eine Stimme zu geben, sprich: sie sollten reden dürfen, jedoch – nach der EU-Wahl – wieder keiner was davon wissen möchte !? Man außerdem eine veränderungswillige Unterrichtsministerin mit schönster Regelmäßigkeit gegen die Wand laufen lässt.
Posten verschachert werden als wären wir auf einem Bazar. Den Banken Milliarden in den Rachen schiebt, sich aber bei dringende Reformen für den Finanzmarkt blind und taub stellt ….
O.K., kindisch nehmen wir raus ! Das Wort hat hier wirklich nichts verloren. Aber es ließen sich doch bestimmt einige andere schöne Wortkreationen finden !
Nur ein Link
http://www.zeit.de/online/2009/26/klonfleisch-kommentar
wo sich jedweder Kommentar erübrigt !
Also bitte beim regionalen Anbieter einkaufen !!!
Und wenn wir schon lesen …
http://www.zeit.de/online/2009/25/bildungsstreik-zukunft
… können wir auch noch weiterlesen !
Ich kann dir nur schreiben”du bist eine Schriftstellerin” und vor allem am richtigen Weg, und der Weg ist das Ziel…..
Die Siebenschläfer müsssen wir, so glaube ich, noch etwas überarbeiten, sind, so lese ich, eine eigenes Thema für dich…..
Danke für deine schönen worte. Langsam scheint es mir auch so,als wäre ich siebenschläfergesteuert..